Das erste Mal auf Ski

Nach meinem Spaziergang um den Maridalsvannet und euphorisiert durch die Elchsichtung und das strahlend gute Wetter, wollte ich Langlauf unbedingt ausprobieren. Das scheint zumindest im Winter zur Integration in Norwegen dazuzugehören. Also lieh ich mir am folgenden Tag bei einem Skizentrum nord-westlich von Oslo (Tryvann) Langlaufski und testete direkt vor der Ausleihstation ein-, zweimal das Ein- und Ausklicken. Es funktionierte nicht optimal, aber ich hatte ja auch nicht vor, die Ski so schnell wieder auszuziehen.

Eigentlich ist Tryvann ein Abfahrtskigebiet, doch das Internet versprach mir rund um das Skizentrum herum viele Loipen. Ja, es gab viele Loipen. Was ich nicht bedachte hatte war, dass das Skizentrum auf einem Berg liegt. Somit können die Loipen nicht besonders flach verlaufen. Ich hatte mir bis dahin nie Gedanken darum gemacht, dass man auch mit Langlaufskiern bergauf- und bergab laufen kann bzw. muss. Ich wählte die Loipe, auf der die meisten Menschen unterwegs waren. Und stoppte nach ca. 50m, um staunend den Norwegern dabei zuzusehen, wie sie sehr zügig einen Berg, der eine Linkskurve enthielt, hinunterfuhren. Im ersten Moment dachte ich, ich wäre aus Versehen auf der Downhill-Strecke gelandet. Aber nein, es war eine Loipe gespurt und die anderen Menschen hatten schmale Langlaufski an und Stöcke in der Hand. Das also ist Langlauf. Während ich mehrmals durchatmete und den Langläufern zuschaute, sah ich auch ein paar Menschen - vermutlich Nicht-Norweger -, die den Berg etwas langsamer und vorsichtiger angingen. Von denen schaute ich mir ab, was zu tun ist. Mein besonderer Dank gilt einem Pärchen: Er Norweger und sehr geübt, sie sehr zaghaft fahrend. Die beiden stoppten neben mir, und er erklärte ihr – auf Englisch – wie sie die Passage bergab in der Theorie meistern kann. Nachdem sie langsam losfuhr, fuhr ich ihr hinterher. Dabei versuchte ich gemäß der Theorie die Ski in ein auf dem Kopf stehendes V zu bringen, um ein wenig Kontrolle über meine Richtung und die Schnelligkeit zu erlangen. Im Schneckentempo rutschte ich der Frau also hinterher. Leider schaffte sie die Kurve nicht und landete an der Seite in einem Schneehaufen. Ich hielt mit etwas Abstand seitlich hinter ihr. Nachdem sie sich wieder berappelt hatte, sagte sie zu mir: „You can go first. I need some time. It’s my second time on ski“. Ich grinste nur und sagte: „No. It’s my first time on ski.“ Vielleicht glaubte sie mir nicht, denn sie machte erst einmal eine Pause, so dass ich gezwungen war, zuerst zu fahren. „Na gut, warum nicht?“, dachte ich mir und fuhr die zweite Hälfte des Berges herunter. Das klappte sogar recht gut; bis ich mich am Ende des Berges so sehr freute, dass ich – plums – hintenüber fiel und im Schnee landete. Aufstehen, weitermachen! Ich folgte der Loipe weiter. Das führte ein paar Mal dazu, dass ich im Schnee saß oder lag, mich ansonsten aber voran brachte. Nach drei Stunden bergab (hin) und bergauf (zurück) war ich fix und fertig. Trotzdem oder gerade deswegen war es beschlossene Sache, dass ich dies öfter probieren möchte und dass ich eigene Ski benötigen würde. Heute stehen bei mir im Zimmer ein paar neue Ski, Schuhe und Stöcke.

Hier ist der geforderte Beweis:

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