Buntes Laub

Während sich der Sommer in Deutschland auch noch einmal im Oktober gezeigt hat, beherrscht hier im Norden schon einige Wochen der Herbst das Stadtbild. Die orangenen, gelben, roten und brauen Blätter segeln von den Bäumen und bilden auf den Straßen, in den Parks und im Wald bunte Teppiche. Die Nähe Oslos zu Fjord und Meer führt zu fantastischen Wolkenformationen, die sich morgens und abends – naja, zugegeben beinah nachmittags – ähnlich den Blättern verfärben. Auch die ein oder andere düstere, nebelige Stimmung ließ sich auf unseren letzten Wochenend-Zelttouren einfangen. Mittlerweile ist es morgens, wenn ich die Wohnung verlasse, stockdunkel. Wenn ich Glück habe, spielt der Mond Sonne und leuchtet mir den Weg auf die Arbeit.


Im Sommer konnten mein Mann und ich uns auf den Touren noch mit den Gaben des Waldes (Blaubeeren, Erdbeeren und Himbeeren) stärken. Im Herbst haben wir davon jedoch Abstand genommen, da wir beide keine Pilze mögen. Die Ausrede, man hätte Angst doch mal einen falschen Pilz zu erwischen und sich zu vergiften, zählt hier – zumindest sonntags - nicht: Bei einem unserer Ausflüge sahen wir in der Nähe des Sognsvann eine Theke, vor welcher eine Traube von Menschen mit Körben voller Pilzen warteten. Dies ist die sogenannte „Soppkontroll“ (sopp = Pilz). Freiwillige, fachkundige Experten stehen für mehrere Stunden im Wald und kontrollieren, ob die gesammelten Pilze auch ja nicht giftig sind. Schließlich soll verhindert werden, dass sich jemand den Deutschland-Pilz (siehe „Ut i marka“) brät.

Mit der Verabschiedung des Sommers verschwindet auch die Motivation draußen Sport zu machen. Das tägliche Fahrradfahren auf die Arbeit ist eine sehr einseitige Bewegung, der Tischtennisverein hat seine Trainingsstätte zu weit weg, um als dauerhafte Alternative in Frage zu kommen, und die Suche nach einem anderen Verein verläuft derzeit schleppend. Daher habe ich mich dazu durchgerungen meine Meinung zu Fitnessstudios überdenken und diesen merkwürdigen Einrichtungen eine Chance zu geben. Die wöchentliche Wirbelsäulengymnastik bei meinem Arbeitgeber in Deutschland war immer eine willkommene Abwechslung und ein gutes Training für den Rücken. Auch in den Fitnessstudios hier werden viele Kurse angeboten – auch wenn ich den Begriff „Wirbelsäulengymnastik“ so noch nirgends finden konnte. Ein Lockangebot mit „kostenlosen November“ gab schließlich den Anstoß es zu versuchen. Gestern besuchte ich meinen ersten Kurs – angeblich ein Kurs für Einsteiger und Anfänger. Heute sitze ich mit Muskelkater in Bauch, Beinen und Armen auf dem Sofa. Zusammen mit 13 anderen Frauen – der Kurs war nicht als Frauenkurs ausgeschrieben, aber die Männer drückten sich lieber an den Gewichten herum – versuchte ich den durch die dröhnende Musik kaum zu verstehenden norwegischen Anweisungen der Trainerin Folge zu leisten. Wir liefen, hüpften, tanzten, gingen in die Kniebeuge, machten Liegestütze, sprangen in die Luft, machten Sit-ups und sonstige Verrenkungen. Und das in einem Affentempo hintereinander weg, durcheinander und bei einigen Übungen mit Gewichtsscheiben als Verstärkung. Im Gegensatz dazu wirkten die Übungen bei der Wirbelsäulengymnastik zum Einschlafen. Allerdings frage ich mich, ob der Fokus bei diesen Übungen tatsächlich auf Tempo oder nicht doch eher auf korrekter Ausführung liegen sollte. In den kommenden Wochen werde ich verschiedene weitere Kurse ausprobieren. Der gestrige Kurs war als einziger als „gut für Einsteiger“ beschrieben, somit bin ich sehr gespannt, was mich erwartet. Meinen Mann erwartet übrigens bald eine neue, spannende Aufgabe in seinem Job. Deswegen kann ich mir jetzt das Fitnessstudio leisten.
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